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Hörspiel des Monats

Hörspiel des Monats Mai 2014

Klaus Barbie – Begegnung mit dem Bösen

Autoren: Peter F. Müller, Leonhard Koppelmann, Michael Müller
Regie: Leonhard Koppelmann
Produktion: Westdeutscher Rundfunk
Redaktion: Martina Müller-Wallraf
Ursendung: 16.5.2014
Länge: 174‘00

Die Begründung der Jury

Investigative Recherche, die enthüllt; Geschichtsjournalismus, der den Schrecken der Vergangenheit in die Gegenwart holt; ein Doku-Drama, das in den Bann schlägt – wer glaubt, so etwas könne es nur im Fernsehen gehen, sieht sich unvermittelt eines Besseren belehrt. „Klaus Barbie – Begegnung mit dem Bösen“ leistet all das im akustischen Medium. Peter F. Müller hat sich als Journalist auf die Spuren des „Schlächters von Lyon“ begeben, jenem SS-Hauptsturmführers Klaus Barbie, dessen Brutalität als Nazi-Scherge beispiellos war, bzw. auf die Spuren der Nachkriegskarriere des Mannes, der als Klaus Altmann in Südamerika im Waffenhandel und für Geheimdienste arbeitete. Ein Zentrum der 170 Minuten langen Hörspielproduktion bilden die O-Ton-Aufnahmen des unverbesserlichen Gewaltmenschen, mit einem Diktaphon aufgenommene Lebensauskünfte im Plauderton. Gebannt folgt man dieser Stimme, die einem das Fürchten lehrt und die Vokabeln wie selbstgerecht, eitel, wahnsinnig und böse hervorruft. Doch nicht nur das: Das Hörspielteam um Leonhard Koppelmann zeichnet mit vielen weiteren Materialien ein vielperspektivisches Bild der biografischen Entwicklung hin zum NS-Mörder und zum umtriebigen Nachkriegskarrieristen. Herausragend dabei der Schauspieler Felix von Manteuffel, der den bislang unveröffentlichten Memoiren, geschrieben in der Zeit seiner Gefangenschaft ab 1983 in Lyon, seine Stimme gibt. Sowie schließlich der Historiker Peter Hammerschmidt, ein Experte für die erschreckenden Machenschaften der westlichen Geheimdienste und speziell des westdeutschen Verfassungsschutzes, der unaufgeregt und sachlich Tatsachen erklärt, die man für unglaublich erachtet. Braucht eine solche Dokumentation überhaupt Bilder? Die Jury zeichnet diese große und großartige Produktion gerade auch wegen ihrer Konzentration auf Stimme und Sprache aus. Das Böse, dem sich ein Themenschwerpunkt des Hörspielprogramms des WDR im Mai 2014 widmete, wird mit der Produktion „Klaus Barbie – Begegnung mit dem Bösen“ in faszinierender, beklemmender Weise umkreist. „Wenn die Hörer das nicht aushalten, müssen sie es ausschalten“, warnt der WDR. Aber wer diese zweieinhalb Stunden aushält, geht aus dieser erschreckenden Begegnung nicht mehr als derselbe hervor.

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