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Hörspiel des Monats

Hörspiel des Monats April 2014

Hörspiel des Monats April 2014

Bouncing in Bavaria

Autoren und Regie: Stefanie Lorey & Björn Auftrag
Redaktion: Peter Liermann
Produktion: Hessischer Rundfunk
Ursendung: 27.04.2014
Länge: 53‘51

Die Begründung der Jury

Die Jury kürt im April BOUNCING IN BAVARIA des Autoren- und Regieduos Stefanie Lorey & Björn Auftrag, produziert vom Hessischen Rundfunk, zum Hörspiel des Monats. Das Hörspiel ist in enger Zusammenarbeit mit den beiden Schauspielern Traute Hoess und Felix Manteuffel entstanden.
Kunst ist kein Kinderspiel, aber ein Kinderspiel kann, fällt es nur den Richtigen in die Hände, unversehens Kunst werden. Die Regeln sind einfach: Hoess und Manteuffel, Schauspieler, in die Jahre gekommene Kinder und immer noch begeistert Spielende, ermitteln einen Buchstaben (wie bei StadtLandFluß – jemand sagt unhörbar das Alphabet auf, und wenn ein akustisches Signal ertönt, wie bei einem TV-Quiz, wird ein Buchstabe laut.) S wie Suppe, K wie Kuh, D wie Das erste Mal, V wie Vater, P wie Pieseln oder G wie Grab, beispielsweise. Buchstabennudeln der Kindheit ordnen sich zu Erinnerungstableaus. Assoziationsgirlanden beginnen im Wortlaut zu flattern. Im Begriff der Unterhaltung geben sich das wild vagabundierende Gespräch, das überbordende Vergnügen und der existentielle Ernst im Sinne von Lebensunterhalt ein Stelldichein. Ein Zeitalter wird besichtigt und besprochen, von Oberbayern her. Amerikanischer Soldatensender, 1968, Transit nach Westberlin, Fall der deutschen Mauer. Ohne Belehrungstonfall, prismatisch gebrochen im Spiegelkabinett des Erzählens von Hoess und Manteuffel. Das Hörspiel erweist dem Alphabet, Grundsubstanz aller Poesie, dem akustischen Auftritt jener sechsundzwanzig Charaktere, seine Reverenz. Und der Zuhörer begreift, was es heißt, sich zu erinnern: berichten, sondieren, aufschneiden, vermuten, registrieren, prahlen; finden und erfinden. Die ganze Wahrheit eben, nicht nur das Richtige. Eine ästhetisch genau kalkulierte Dramaturgie des Zufalls lässt den Hörer staunen. Der beiläufig einsickernde Sountrack gibt einen angemessenen Hallraum der Erinnerungen ab. Wie die Stimmen von Hoess und Manteuffel, zwischen den Gravitationskräften der Vergänglichkeit und vitalem
Übermut, Wehmut und Spottlust, vergegenwärtigen, was der Fall gewesen ist, von Lorey-Auftrag mit Takt und Kunstverstand arrangiert, es rührt das Herz an. Scheinbar kinderleichte Hörspielkunst.

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