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Hörspieltipps, Ursendungen, Vorankündigungen, Wiederholungen

Kleine Radiovorschau 2. bis 8. November

Eine Politisierung der Kunst statt einer Ästhetisierung der Politik forderte Walter Benjamin in seinem »Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit«. Denn: »Alle Bemühungen um die Ästhetisierung der Politik gipfeln in einem Punkt. Dieser eine Punkt ist der Krieg.« Die beiden gegenläufigen Positionen lassen sich vielleicht an zwei Kunstströmungen erläutern: Während das futuristische Manifest des Italieners Felippo Tommaso Marinetti (1909) von kriegs- und technikverherrlichenden Ergüssen geradezu trieft, entzieht sich »Letzte Lockerung« von Walter Serner (1920) als dadaistisches Manifest jeglicher Vereinnahmung. Diese Dekonstruktion von Sprache und Logik ist keineswegs unpolitisch, sondern als Gegenbewegung zu einer pflichtgehorsamen Kunst zu sehen.

Am 23. August jährte sich der Todestag des internationalistischen Kosmopoliten Serner, der im Holocaust ermordet wurde, zum 70. Mal. Der Musiker und Komponist »zeitblom« hat aus diesem Anlaß für den BR »Letzte Lockerung« (Freitag, 2. Nov 21.03 Uhr, BR 2) als Hörspiel bearbeitet. Mit Dirk von Lowtzow als Sprecher. So wird Serners »Hochstaplerlyrik« in eine »minimalistische Elektrosymphonie« eingebettet.

Daß die Verschmelzung von Musik, Soundart und Hörspiel keine neue Erfindung ist, sieht man auch an den Kooperationen von Heiner Müller und Heiner Goebbels. Der Komponist inszenierte Müllers »Wolokolamsker Chaussee« 1989 für das Radio. Das Stück läuft auf BR 2, am Samstag, 3. Nov um 15.05 Uhr. Zur selben Zeit beweist WDR 3, daß das Hörspiel dem Kino durchaus voraus sein kann. Der Roman »Cosmopolis« von Don De Lillo wurde erst dieses Jahr verfilmt, aber schon 2005 für den WDR verhörspielt. Es läuft der erste von zwei Teilen.

Das österreichische Hörspiel des Jahres 2012 sendet hr 2 am Sonntag, 4. Nov um 14.05 Uhr. In ihrem autobiographischen Buch »Weiter leben« schildert Ruth Klüger, wie sie aus Wien mit ihrer Mutter nach Theresienstadt deportiert wurde. Sie überlebte dieses und weitere Konzentrationslager. Götz Fritsch führte bei dieser ORF-Produktion Regie.

»Das Hörspiel vom Hörspiel« heißt die Sendung, in der die unabhängige Jury zum Karl-Sczuka-Preis die Einreichungen rekapituliert. Das neue »Metahörspiel« für den Jahrgang 2012 läuft am Dienstag, 6. Nov um 23.03 Uhr auf SWR 2. DKultur hat einen Sendeplatz für »Holiday for Life« (ORF), dem Gewinnerstück der Featurekategorie beim Prix Europa bereitet (Mittwoch, 7. Nov 0.05 Uhr).

Auf gar keinen Fall verpassen sollte man »Als wenn man ein Dachs wär in seinem Bau« von Jürgen Geers und Gerhard Polt (hr 1976). Es kommt am Mittwoch, 7. Nov um 20.00 Uhr auf DRS 2. Den Schweizer Sender empfängt man am besten über den Livestream auf der Webseite des Senders.
2.11.2012 junge Welt, Rafik Will

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